LOSUNG DES TAGES

Du hast Menschen über unser Haupt fahren lassen, wir sind in Feuer und Wasser gekommen. Aber du hast uns herausgeführt und erquickt.

Psalm 66,12

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39 frohgemute Teilnehmer starteten pünktlich um 8:15 Uhr mit dem Bus von Bergen-Enkheim nach Worms. Fahrer und Fahrzeug waren vorbildlich. Zum Beginn wurde ein Morgengebet gesprochen. In Worms am Neumarkt angekommen, schauten wir uns zuerst den Siegfriedbrunnen an, eine große Brunnenanlage vom Beginn des 20. Jhs. mit dem Drachentöter auf der Spitze, gestiftet von der Familie von Heyl. Worms ist der Mittelpunkt des Nibelungenliedes, geschichtlicher Kern: der Stamm der Burgunder lebte Anfang des 5. Jhs. für eine Generation hier.
Dann ging es weiter zum Dom St. Peter. Dort begrüßte uns Dompropst Tobias Schäfer. Seine Dom-führung, durchaus auf unsere ökumenische Gruppe abgestimmt, war einfach legendär. Abschließend zeigte er uns den erstaunlichen neuen Altar in der Vierung, dem Herz des Domes. Er wurde unter der Anleitung von Künstlern von vielen Freiwilligen der Domgemeinde aus vielen Schichten gestampfter Erde hergestellt und anschließend geschliffen. Sehr beeindruckt hat uns auch die Statue des Petrus am barocken Hochaltar, festgehalten der Augenblick als der Hahn nach der dritten Verleugnung Petri kräht.
Die Führung ging fast nahtlos über in das Ökumenische Mittagsgebet. Wir hatten das Privileg im Chorgestühl des Domes zu sitzen, für uns alle ein ganz besonderes Erlebnis. Die Andacht wurde von der evangelischen Ökumene-Pfarrerin Dr. Erika Mohri geleitet und war eingebettet in die gerade startende Interkulturelle Woche. Deshalb sprach auch ein Vertreter der muslimischen Gemeinde über seine überwiegend positiven Erfahrungen in Kindheit und Jugend als Migrantenkind in Worms.
Nach dem abschließenden Choral „Großer Gott wir loben Dich“, den die türkischstämmigen muslimischen Mitbürger in der Sprache ihrer Eltern mitsangen, ging es mit dem Bus bei bestem Wetter zum Rheinufer ins Gartenlokal. Das Mittagessen war vorbestellt, der Service klappte reibungslos.
Anschließend zum Jüdischen Viertel, Führung in zwei Gruppen durch Synagoge und Jüdisches Museum im Raschi-Haus. Die beiden Fremdenführerinnen machten ihre Sache ausgezeichnet. In Worms entstand bereits 1034 das wahrscheinlich älteste Gebetshaus in Deutschland. In der Progromnacht 1938 brannte die Synagoge vollständig aus. Der Wiederaufbau bis 1961, verstanden als nationale Aufgabe, konnte und kann nichts wieder gut machen, was der Gemeinde nach 1933 angetan wurde.
Nach dem Spaziergang zum Obermarkt verweilten wir kurz vor dem „Schicksalsrad“, eine 5 m hohe Bronzeskulptur des Wormser Künstlers Gustav Nonnenmacher. Auf der Vorderseite als Relief dargestellt: Das Auf und Ab der Wormser Geschichte vom Überfall auf die keltische Urbevölkerung bis zur Bombardierung der Altstadt im Februar und März 1945 und schließlich der Gegenwart mit dem Narren vor dem Kernkraftwerk auf der anderen Rheinseite. Die Rückseite des sich langsam drehenden Rades illustriert die Feste, die die Wormser das Jahr über feiern.
Kaum Zeit für einen Kaffee oder ein Eis blieb uns, weil uns um 17 Uhr der evangelische Dekan Harald Storch am großen Lutherdenkmal erwartete. Seine Führung war engagiert, kompetent und sehr lebendig. Luther steht überlebensgroß in der Mitte des Denkmals, umgeben von vier Frühreformatoren direkt zu seinen Füßen und flankiert von den Großfiguren: seine Beschützer Friedrich III. von Sachsen, der Weise und Landgraf Philipp I. von Hessen, der Großmütige.
Am Heylshof, einem respektablen Kunstmuseum mit Park, besuchten wir die Stelle, wo einst der Bischofspalast stand. Dort musste sich 1521 Martin Luther während des Reichstags vor dem blutjungen Kaiser Karl V. verantworten. Die Kernaussage Luthers und die Stellungnahme Karls V., der um die Einheit des Reiches und den Frieden mit der Kirche fürchtete, sind durch das damalige Sitzungsprotokoll verewigt und dort in zwei Schrifttafeln angeschlagen. Zwei von uns lasen den Text laut im Wechsel vor.
Danach haben wir uns die Magnuskirche von außen angeschaut. Sie gilt als älteste lutherische Kirche in Südwestdeutschland: Hier wurde schon 1520 im Sinne Luthers gepredigt.
Endstation war die Dreifaltigkeitskirche, größte protestantische Kirche in Worms, einst erbaut als Gedächtniskirche der Reformation mit architektonischen Elementen der Frankfurter Katharinenkirche. Diese Kirche wurde 1945 durch einen Luftangriff zerstört und bis 1959 wiederaufgebaut; außen weitgehend historisch, während der Innenraum modern gestaltet wurde. Hier kam die Teilnehmergemeinde zum Abschluss des Tages noch einmal zu Ruhe und Besinnung. Die Ehepaare Klinger und Porth hatten eine Abendandacht vorbereitet mit Texten, ausgearbeitet von der ökumenischen Kommunität Iona in Schottland und dem Gebet für die Einheit der Christen aus dem Fuldateil des Gotteslobes. Für unsere beiden Chorsängerinnen war das Anstimmen der beiden Lieder a cappella kein großes Problem, für die beiden dilletierenden Männer eher eine Heraus-forderung. Aber unsere kleine Gemeinde hat dann kräftig mitgesungen.
Kurz nach 20 Uhr waren alle heil in Bergen-Enkheim zurück, ein denkwürdiger Tag ging zu Ende.
Herzlichen Dank gebührt unseren beiden Gemeindesekretärinnen Anna Kneipp und Susanne Staab-Kluger für die Hilfe bei den Vorbereitungen und Anmeldungen.
Foto: Volker Weil
Text: Wolfgang Porth